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Dach erneuern

Unter einer Dachsanierung versteht jeder etwas anderes. Manche denken nur an neue Ziegel, andere an eine komplette Erneuerung von den Sparren bis zur Dachrinne. Beim Steildach eines Einfamilienhauses wird bei einer gründlichen Sanierung meist der gesamte Schichtaufbau über dem Dachstuhl erneuert: alte Eindeckung

Aktualisiert 09/2026·10 Min. Lesezeit
Inhalt

Was alles zur Dachsanierung gehört

Unter einer Dachsanierung versteht jeder etwas anderes. Manche denken nur an neue Ziegel, andere an eine komplette Erneuerung von den Sparren bis zur Dachrinne. Beim Steildach eines Einfamilienhauses wird bei einer gründlichen Sanierung meist der gesamte Schichtaufbau über dem Dachstuhl erneuert: alte Eindeckung, Lattung, Unterdach, Konterlattung, neue Lattung oder Schalung, neue Eindeckung und alle Spenglerdetails. Dazu gehören Dachrinnen, Ablaufrohre, Traufbleche, Kaminanschlüsse, Kehlen, First und Ortgang.

Der Dachstuhl, also die tragende Holzkonstruktion, wird bei einer Neueindeckung nicht automatisch ersetzt. Ein abgedecktes Dach ist aber der einzige Moment, in dem sich der Dachstuhl gründlich prüfen, reparieren und bei Bedarf verstärken lässt. Ebenso ist es der beste Zeitpunkt für eine Dämmung, wenn das Dachgeschoss bewohnt ist oder ausgebaut werden soll.

Wann eine Neueindeckung nötig ist und wann eine Reparatur reicht

Nicht jedes alte Dach muss neu gedeckt werden. Einige gesprungene Ziegel, ein lockerer Firstziegel oder ein undichter Kaminanschluss lassen sich örtlich reparieren. Über eine Neueindeckung lohnt es sich nachzudenken, wenn Schäden an mehreren Stellen immer wieder auftreten oder die Eindeckung auf ganzer Fläche am Ende ist.

Typische Anzeichen, dass ein Dach das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat:

  • Ziegel bröseln, platzen ab oder saugen Wasser und springen im Winter durch Frost,
  • Blech ist grossflächig verrostet, nicht nur an Kanten und Schrauben,
  • es tropft an verschiedenen Stellen und nach jeder Reparatur zeigt sich eine neue,
  • unter der Eindeckung fehlt ein Unterdach und Flugschnee weht auf den Estrich,
  • die Latten sind morsch oder biegen sich unter der Eindeckung durch,
  • das Dach besteht aus asbesthaltigen Faserzementplatten oder Wellplatten, die verwittert und bemoost sind.

Bei Ton- und Betondachsteinen kommt es oft vor, dass die Eindeckung selbst noch halten würde, darunter aber keine zweite wasserführende Ebene liegt und die Latten verbraucht sind. Dann lassen sich gut erhaltene Ziegel manchmal abnehmen, sortieren und wiederverwenden. Bei alten Faserzementplatten mit Asbest und durchgerostetem Blech ist das nicht sinnvoll.

Den Dachstuhl vor der neuen Eindeckung prüfen

Der Dachstuhl trägt Eindeckung, Lattung, Schnee und Wind. Bei einer Neueindeckung ist deshalb wichtig, ob die neue Eindeckung deutlich schwerer wird als die alte. Ton- und Betondachsteine wiegen etwa 40 bis 50 kg pro m², eine Blecheindeckung nur rund 5 kg pro m² und Blechpfannen mit Steinbeschichtung etwa 7 bis 8 kg pro m². Beim Wechsel von Blech oder leichten Wellplatten auf Ziegel sollte ein Statiker die Lasten prüfen. Der umgekehrte Weg, vom Ziegel zum Blech, entlastet den Dachstuhl.

Nach dem Abdecken wird der Dachstuhl auf ganzer Länge angesehen. Geprüft werden Fäulnis an Fusspfette und Traufe, wo das Holz am häufigsten feucht wird, Befall durch Holzschädlinge, gerissene oder durchgebogene Sparren, gelockerte Verbindungen und Spuren alter Undichtigkeiten. Schadhafte Hölzer werden ausgetauscht oder aufgedoppelt, gesundes Holz bei Bedarf mit Holzschutz behandelt. Hängt der Dachstuhl so durch, dass man es am First oder in der Dachfläche mit blossem Auge sieht, sollte ein Statiker ihn beurteilen, bevor die Eindeckung bestellt wird.

Preise für Zimmererarbeiten wie Sparrenmontage, Erneuerung des Dachstuhls oder Holzschutz finden Sie im Artikel Zimmerarbeiten und Dachstuhl.

Blech oder Ziegel

Ziegel und Dachsteine

Tonziegel sind in der Schweiz die verbreitetste Eindeckung für Steildächer, hergestellt etwa von Gasser Ceramic oder ZZ Wancor. Daneben sind Faserzementschindeln und Platten ohne Asbest, etwa von Swisspearl, sowie in Berggebieten Holzschindeln und Steinplatten üblich. Sie sind schwer, leise bei Regen und langlebig. Sie dämpfen Lärm und sommerliche Überhitzung des Dachgeschosses besser. Andererseits brauchen sie einen ausreichend bemessenen Dachstuhl und eine grössere Dachneigung, die Verlegung dauert länger. Für jedes Modell legt der Hersteller eine Regeldachneigung fest, die vom Ziegelprofil und von der Art der Unterdeckung abhängt. Bei flach geneigten Dächern ist ein Ziegel oft gar nicht oder nur mit einem höherwertigen Unterdach möglich.

Blecheindeckung

Blech ist leicht und schnell montiert. Nach der Form unterscheidet man Blechpfannen, Trapezbleche und Stehfalzdeckungen. Blechpfannen und Trapezbleche werden auf die Lattung geschraubt, Stehfalz wird auf eine vollflächige Schalung gelegt. Blech kommt mit geringeren Neigungen zurecht, ist bei Regen aber lauter, und unter dem Blech kann sich Kondensat bilden. Deshalb gehören eine Unterdeckbahn, eine Hinterlüftung und bei manchen Produkten eine Antikondensbeschichtung auf der Unterseite dazu. Verbreitet sind beschichteter Stahl, Aluminium, etwa von Prefa, sowie Titanzink und Kupfer, die bei Stehfalzdächern in der Schweiz eine lange Tradition haben.

So treffen Sie die Entscheidung

  • bei einem alten Dachstuhl und leichter ursprünglicher Eindeckung ist Blech oft die sicherere Wahl,
  • bei einem bewohnten Dachgeschoss werden die Ruhe und die Speichermasse von Ziegeln geschätzt,
  • bei geringer Neigung entscheiden die Regeldachneigungen in den technischen Unterlagen der Hersteller,
  • in einer Kernzone, bei einem geschützten Gebäude oder bei einer Gemeinde mit Gestaltungsvorschriften können Art und Farbe der Eindeckung vorgeschrieben sein.

Unterdach, Hinterlüftung und Dämmung

Unter die Eindeckung gehört ein Unterdach als zweite wasserführende Ebene, heute meist eine diffusionsoffene Unterdachbahn direkt auf den Sparren, auf einer Schalung oder auf Holzfaserplatten. Darauf kommt die Konterlattung, die einen Lüftungsraum schafft, und erst dann die Lattung oder Schalung für die Eindeckung. Luft strömt von der Traufe zum First und führt Feuchtigkeit ab. An der Traufe sitzt ein Lüftungsgitter gegen Vögel und Insekten, am First ein Firstlüftungselement.

Die Neueindeckung ist der ideale Zeitpunkt für eine Dämmung. Ist das Dachgeschoss bewohnt, kommt die Dämmung zwischen und unter die Sparren und wird raumseitig mit einer luftdicht verklebten Dampfbremse abgeschlossen. Bleibt der Estrich unbeheizt, ist es oft einfacher, den Estrichboden zu dämmen, zum Beispiel mit Einblasdämmung. Wird das Dach erneuert, gelten je nach Kanton energetische Anforderungen an die Dämmung, das sollte der Fachbetrieb vor der Offerte klären. Für die Wärmedämmung des Daches gibt es Beiträge aus dem Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen, die aktuellen Bedingungen Ihres Kantons sollten Sie vor Vertragsabschluss auf dem offiziellen Portal dasgebaeudeprogramm.ch prüfen.

Alte Dächer aus Asbestzement

Viele Häuser, die vor 1990 gebaut wurden, haben Dächer oder Fassaden aus asbesthaltigen Faserzementplatten oder Wellplatten. Solange die Platten unbeschädigt sind, werden kaum Fasern freigesetzt. Gefährlich wird es beim Brechen, Schneiden, Bohren, beim Reinigen mit Hochdruck und bei unsachgemässem Abbau.

Arbeiten an Asbestzement dürfen in der Schweiz nur Betriebe mit geschultem Personal ausführen, die sich an die Regeln der Suva halten. Vor dem Rückbau eines Gebäudes aus der Zeit vor 1990 wird in der Regel eine Schadstoffermittlung verlangt. Die Platten werden möglichst unzerbrochen abgenommen, verpackt und als gefährlicher Abfall bei einer zugelassenen Entsorgungsanlage abgegeben. Ein Laie oder eine gewöhnliche Dachdeckerkolonne ohne Sachkunde sollte ein altes Asbestzementdach nicht anfassen. Ist unklar, woraus das Dach besteht, bringt eine Materialprobe in einem akkreditierten Labor Gewissheit. Ablauf, Pflichten und Kosten beschreibt der Artikel Asbest und Eternit entfernen.

Wer die Arbeiten ausführen darf

In der Schweiz ist das Dachdeckerhandwerk nicht bewilligungspflichtig, umso wichtiger ist die Auswahl des Betriebs. Achten Sie auf ausgebildete Fachleute mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis oder Meisterprüfung, auf eine Betriebshaftpflichtversicherung und auf Referenzen ähnlicher Dächer. Viele seriöse Betriebe sind Mitglied im Branchenverband Gebäudehülle Schweiz. Rinnen und Anschlüsse erledigt der Spengler, Reparaturen am Dachstuhl der Zimmermann. Eine gute Offerte ist nach Abbruch, Zimmerarbeiten, Unterdach, Eindeckung, Spenglerarbeiten, Gerüst und Entsorgung aufgeschlüsselt.

Ob für Ihr Vorhaben eine Baubewilligung oder eine Meldung nötig ist, klären Sie am besten vorab bei der Bauverwaltung Ihrer Gemeinde.

So läuft eine Neueindeckung ab

Bei einem üblichen Satteldach eines Einfamilienhauses hat die Neueindeckung eine feste Reihenfolge. Wichtig ist, dass das Dach nie über Nacht ohne Abdeckung offen bleibt und abschnittsweise je nach Wetter gearbeitet wird.

  1. Gerüst stellen oder Absturzsicherung einrichten und einen Container für den Abfall aufstellen.
  2. Dachrinnen, Ablaufrohre, Firstziegel sowie Kamin- und Ortbleche abbauen.
  3. Alte Eindeckung und Lattung abnehmen, wiederverwendbare Ziegel aussortieren.
  4. Dachstuhl prüfen und reparieren, schadhafte Hölzer austauschen und behandeln.
  5. Unterdachbahn verlegen oder Schalung mit Unterdach herstellen.
  6. Konterlattung und neue Lattung im Abstand nach Eindeckung anbringen, bei Stehfalz eine vollflächige Schalung.
  7. Traufbleche, Rinnenhaken und Lüftungselemente an der Traufe setzen.
  8. Neue Eindeckung einschliesslich Kehlen, First und Ortgang verlegen.
  9. Kamin, Dachfenster und Durchdringungen mit Blech einfassen.
  10. Dachrinnen, Ablaufrohre und Schneefänge montieren.
  11. Umgebung des Hauses aufräumen und Abfall abfahren.

Beispielrechnung Arbeitskosten: 150 m² Satteldach

Für eine erste Vorstellung vom Budget dient diese Beispielrechnung für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Satteldach. Sie geht vom Abdecken alter Ziegel, einem neuen Unterdach und einer neuen Eindeckung aus. Enthalten ist nur die Arbeit laut NUMIQ Preisliste mit Kleinmaterial, ohne Eindeckung, Holz, Unterdachbahnen, Bleche und weiteres Hauptmaterial, ohne Gerüst, Entsorgung und Reparaturen am Dachstuhl.

Variante A: neue Ziegeleindeckung

  • Abdecken der alten Ziegeldeckung 150 m² × CHF 17.15 = CHF 2'572.50,
  • Rückbau der alten Lattung 150 m² × CHF 5.45 = CHF 817.50,
  • Verlegen der Unterdachbahn 150 m² × CHF 5.85 = CHF 877.50,
  • Konterlattung 150 m² × CHF 7.87 = CHF 1'180.50,
  • Dachlattung 150 m² × CHF 11.10 = CHF 1'665,
  • Eindecken mit Ton- oder Betonziegeln 150 m² × CHF 60.54 = CHF 9'081,
  • Rückbau alter Dachrinnen und Ablaufrohre 49 Laufmeter × CHF 9.08 = CHF 444.92,
  • Montage der Hängerinne 25 Laufmeter × CHF 19.17 = CHF 479.25,
  • Montage des Ablaufrohrs 24 Laufmeter × CHF 18.16 = CHF 435.84,
  • Montage des Traufblechs 25 Laufmeter × CHF 20.18 = CHF 504.50,
  • Kaminanschluss in Blech 4 Laufmeter × CHF 44.40 = CHF 177.60.

Insgesamt liegt die Arbeit damit bei etwa CHF 18'240, also rund CHF 122 pro m² Dachfläche. Die Preise schwanken je nach Region und Stadt, in Zürich, Genf, Basel und in Tourismusorten liegen sie meist höher als in ländlichen Gemeinden.

Variante B: Stehfalzdeckung aus Blech

Bei Stehfalz entfallen Lattung und Ziegelverlegung. Stattdessen kommen eine Dachschalung aus OSB oder Brettern für CHF 19.17 pro m² und die Stehfalzdeckung für CHF 38.34 pro m² hinzu. Beim gleichen Dach liegt die Arbeit damit bei etwa CHF 16'120. Ist die alte Eindeckung aus Blech, kostet das Abdecken laut Preisliste CHF 11.70 pro m² statt CHF 17.15 bei Ziegeln, bei 150 m² also CHF 1'755.

Die Rechnung ist wirklich nur ein Anhaltspunkt. Den tatsächlichen Preis verschieben die Dachform mit Walmen, Kehlen und Gauben, die Zahl der Dachfenster und Kamine, die Neigung, die Gebäudehöhe und der Zustand des Dachstuhls. Zur Arbeit kommen Material, Gerüst und Entsorgung. Alte Ziegel mit rund 40 bis 50 kg pro m² ergeben bei 150 m² etwa 6 bis 7 Tonnen Abfall, der nach Gewicht abgerechnet wird. Abbruch und Schuttabfuhr beschreibt der Artikel Abbrucharbeiten, alle Spenglerpositionen finden Sie im Artikel Spenglerarbeiten.

Die häufigsten Fehler aus der Praxis

  • Eindeckung ohne Prüfung des Dachstuhls: das neue Dach liegt auf einer morschen Fusspfette und senkt sich nach einigen Jahren,
  • schwere Ziegel auf einem Dachstuhl für Blech: Sparren biegen sich durch und reissen,
  • fehlende Hinterlüftung: unter dem Blech bildet sich Kondensat und tropft auf den Estrich,
  • Neigung unter der Regeldachneigung: bei Starkregen und Wind läuft Wasser unter die Ziegel,
  • billiger Kaminanschluss: Dichtmasse statt überlappendem Blech reisst und wird undicht,
  • Traufbelüftung mit Dämmstoff zugestopft: das Dach kann nicht mehr atmen,
  • unsachgemässer Abbau von Asbestzement: zerbrochene Platten setzen Fasern frei und der Abfall landet am falschen Ort,
  • Dach über Nacht offen: ein Gewitter ruiniert Decken und Putz im Haus.

Anleitung für Heimwerker: das Haus auf die Neueindeckung vorbereiten

Die Neueindeckung selbst ist Arbeit für Dachdecker und Spengler. Als Eigentümer können Sie aber viel dafür tun, dass die Arbeiten zügig und ohne Schäden verlaufen.

  1. Estrich ausräumen, damit Dachstuhl und Fusspfette rundum zugänglich sind.
  2. Das Dach von aussen und innen fotografieren, vor allem Stellen mit Wasserflecken.
  3. Herausfinden, woraus die alte Eindeckung besteht, und bei Verdacht auf Asbestzement den Betrieb vorab informieren.
  4. Eine schriftliche Offerte mit Zeitplan einholen und regeln, was bei verdeckten Schäden am Dachstuhl passiert.
  5. Mit Nachbarn und Gemeinde den Platz für Gerüst und Container abstimmen.
  6. Gegenstände auf dem Estrich und unter dem Dach mit Folie gegen Staub und Schmutz abdecken.
  7. Über Dämmung und Dachfenster vor Beginn entscheiden, nachträglich ist das aufwendig.

So nehmen Sie das neue Dach ab

  • der Dachstuhl wurde geprüft und schadhafte Hölzer ausgetauscht, es gibt Fotos,
  • unter der Eindeckung liegt ein durchgehendes Unterdach mit Überlappungen und Lüftungsraum,
  • Lüftung an Traufe und First ist frei und mit Gitter geschützt,
  • die Eindeckung liegt eben, ohne gesprungene Teile und befestigt nach Herstellervorgabe,
  • Kamin, Dachfenster und Durchdringungen sind mit Blech eingefasst, nicht nur mit Dichtmasse,
  • Rinnen haben Gefälle zu den Ablaufrohren und Wasser läuft bei einer Probe ab,
  • der Betrieb hat Unterlagen zu Material und Gewährleistung übergeben, bei Asbestzement einen Entsorgungsnachweis,
  • die Umgebung des Hauses ist aufgeräumt und frei von Nägeln und Bruchstücken.

Häufige Fragen

Bei einem üblichen Satteldach mit rund 150 m² und ohne grössere Reparaturen am Dachstuhl dauert die Neueindeckung meist ein bis zwei Wochen bei gutem Wetter. Komplizierte Dachformen, Reparaturen am Dachstuhl und eine Dämmung verlängern die Zeit.

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